Jede Videokamera, ob Camcorder, Handy oder Webcam, nimmt ja mit einem internen Mikrofon den Ton sowieso auf. Vor allem für Videoeinsteiger vermittelt das erstmal den Eindruck, dass die Kamera alleine doch ausreichen sollte, um ein Video samt Ton aufzuzeichnen. Daher widme ich mich heute mal der Frage:

Wozu brauche ich beim Video aufnehmen ein externes Mikrofon?

Die Antwort darauf ist eigentlich ganz einfach: Mit den in Kameras integrierten Mikros ist im Allgemeinen keine wirklich gute Tonqualität zu erreichen. Für die Wahrnehmung der Qualität eines Videos spielt aber der Ton eine ebenso große Rolle wie das Bild. Wenn Du also mit Deinem Video Marketing als hochwertig wahrgenommen werden willst, dann kommst Du über ein externes Mikrofon nicht herum.

video-externes-mikrofon

Warum liefern kamera-interne Mikros keine gute Qualität?

Das hat damit zu tun, dass das interne Mikro fast immer zu weit weg von der Tonquelle (also zum Beispiel dem Sprecher) positioniert ist. Außerdem ist es meist darauf ausgelegt, „alles“ aufzunehmen. Und genau das wollen wir ja nicht: Der Ton des Sprechers soll aufgenommen werden, aber nicht zum Beispiel das Autogeräusch vor dem Fenster. Noch dazu wird man durch so ein allumfassendes Aufnehmen aller Nebengeräusche auch den (fürs Ohr kaum wahrnehmbaren) Hall des Tons, der durch die Wände verursacht wird, viel deutlicher wahrnehmen: Man “hört den Raum”.

Mit „Raum“ bezeichnet man den Hall, den man hört, wenn mit relativ weit entfernten Mikros aufgenommen wird (und/ oder der Raum wenig Schall schluckt). Unser Ohr ist von professionellen Aufnahmen einen sauberen Ton ohne Raum gewohnt. Je mehr Raum im Ton, desto amateurhafter wirkt eine Aufnahme. Damit büßt dann natürlich auch alles, was Du sagst, an Überzeugungskraft ein.

Es mag vielleicht noch funktionieren, wenn die Kamera nur etwa auf Armeslänge von Dir entfernt ist. Aber meistens wird die Kamera ja weiter weg sein (zumindest sollte sie das, um ein förderliches Bild hinzukriegen). Und dann ist der Qualitätsunterschied mit einem externen Mikrofon sehr deutlich. Deshalb ist es auch ein Ausschlusskriterium für die Auswahl einer Kamera, wenn kein Eingang für ein externes Mikrofon vorhanden ist.

Auch ein Richtmikro auf einer Kamera löst das Problem übrigens nicht wirklich – es entschärft es höchstens ein wenig. Hier sind die Nebengeräusche zwar weniger zu hören, der Raumeffekt bleibt aber bei einem größeren Abstand fast vollständig bestehen.

Und welches Mikrofon soll ich konkret nehmen?

Vereinfacht gesagt geht es darum, das man mit dem Mikrofon möglichst nah an die Tonquelle kommt und außerdem eins benutzt, das gerichtet arbeitet. Konkret empfiehlt sich entweder ein Ansteckmikro (Lavalier) oder ein Aufstellmikro. Für die Auswahl beim Kauf gilt hier leider der Grundsatz „je teurer desto besser“. Das technisch bedingte Grundrauschen eines Mikros wird mit steigenden Preisen immer geringer.

Worauf achten bei Ansteckmikros?

Für Sprachaufnahmen ist ein Ansteckmikro im Allgemeinen zu bevorzugen. Brauchbare Varianten mit Kabelverbindung statt Funkstrecke gibt es schon ab 30,- EUR. Befestige das Mikro ca. 20 cm unter dem Mund und achte darauf, dass es beim Bewegen keine Störgeräusche durch die Kleidung gibt. Kontrolliere dies per Kopfhörertest vor der Aufnahme.

Wenn es ein Aufstellmikro sein soll…

Aufstellmikros sind Mikrofone, die Du vor Dich auf den Tisch stellst oder an einem Ständer befestigst. Wichtig ist hier, dass das Mikro möglichst nah bei Dir steht. Achte darauf, dass Du ein Mikro mit einer Richtcharakteristik („Niere“ statt „Kugel“) benutzt. Es gibt einfache Varianten, die man per USB anschließen kann, ab ca. 50,- Euro.

Probieren geht über Studieren ;-)

Letztlich musst Du testen, was für Deine Anforderungen funktioniert. Wenn zum Beispiel Dein Drehort den Schall gut schluckt, dann kannst Du eventuell mit einem Richtmikro „durchkommen“. Nutze die Möglichkeit des Rückgaberechts – am besten bestellst Du Dir zwei bis drei Mikros zum Testen und probierst sie für Deine konkrete Aufnahmesituation einfach aus.

Das Fazit ist ganz schlicht:

Ein externes Mikro gehört „zum guten Ton“ auf jeden Fall dazu. Du hast nur einmalig den Aufwand, das eine zu finden, was für Dich passt. Und die Tonqualität (und damit die gesamte Qualität) wird gefühlt um ein Vielfaches besser. Es lohnt sich einfach: Damit das, was Du im Video sagst, dann am Ende für den Zuschauer auch in jeder Hinsicht „gut klingt“!

Berichte mir gerne von Deinen Erfahrungen (mit oder ohne Mikro) unten im Kommentarfeld. Ich freu mich über jedes Feedback!

Verfasser: Markus Beckmann

9 Responses to (Warum) Brauche ich für Video ein externes Mikrofon?

  1. Hallo Markus,

    ich habe meinen Videokurs “Business Smalltalk lernen” mit dem Lavalier Ansteckmikrophon “ATR3350″ aufgenommen und bin sehr zufrieden damit. Die Handhabung ist absolut einfach und der Preis war sehr human.

    Vielen Dank für deine interessanten Artikel im Blog!
    Christine

    • Hallo Christine,

      ja das ATR3350 kann ich auch soweit emnpfehlen, vor allem bei dem Preis. Man muss allerdings aufpassen wie man das Kabel führt, da es nicht gut abgeschirmt und dadurch störanfällig ist. Schön ist, dass das Kabel mit 6m Länge gut bemessen ist und für den Preis hat es auch eine sehr annehmbare Tonqualität. Evtl. muss man in der Nachbearbeitung das Rauschen noch etwas rausfiltern. Es ist also ein sehr gutes Einsteiger Mikro!

      Gruß
      Markus

  2. Christoph sagt:

    Hallo Markus, der Artikel kommt witzigerweise genau zur richtigen Zeit. Ich hätte mir nur gern 1, 2 oder 3 konkrete Empfehlungen dazu gewünscht! Z.B. soll das Rode smartLav+ super zum Filmen mit Iphone sein, nun frag ich mich, ob ich das nicht auch für den Camcorder nutzen kann, dann mit einem Adapter trrs auf trs, wenn ich’s richtig verstanden habe.
    Lg Christoph

    • Hi Christoph,

      ja, ich hatte mir das mit konkreten Empfehlungen auch überlegt, aber auch da steckt der Teufel im Detail. Das ATR3350 ist eine gute Einsteigerempfehlung, aber für manche feine Ohren bzw. Ansprüche hat es auch wieder zu viel Grundrauschen. Das Rode smartLav+ ist sehr gut, aber es ist für Tonaufnahmen konzipiert also z.B. für Podcasts – da ist es wirklich top. Beim Filmen ist zu sagen, dass die 1,2m Kabellänge einfach zu knapp bemessen ist um gut arbeiten zu können. Eine Verlängerung ist wieder aufwendig wegen der verdrehten Polung des iPhone Eingangs. Dazu kommt, dass es eine Tonaufnahme App von Rode gibt, die speziell für dieses Mikro ausgelegt ist. Mit der normalen Videoapp wird der Ton schon nicht mehr so gut aufgezeichnet, da die Autokorrektur unerwünschte Qualitätseinbußen produziert. Die kann man zwar wiederum mit der App FilmicPro deaktivieren, aber dann bleibt immer noch das kurze Kabel. Das Mikro an einem normalen Camcorder Eingang zu nutzen habe ich noch nicht getestet, sollte aber mit einem pasenden Adapter, der auch etwas Länge bietet gehen.

      Also alles nicht so knapp und einfach leider…

      Viele Grüße
      Markus

  3. Jürgen Richter sagt:

    Hallo Markus, ich bin Trainer für Seminare – dort habe ich klassisch Rollenspiel am (2-4Personen am Tisch) oder einen Stuhlkreis (ca.10Stühle, halbrund, Abstand ca. 6-8m). Bislang hatte ich alte Panasonic-Camera mit Verstärker art und externMikro Sennheiser 8mKabel. Mit der neuen Panasonic HC-V707 klappt das überhaupt nicht mehr, kein Eingangspegel (ebensowenig die kleine Canon Legria FS20), kein Ton, max Rauschen oder Stille. Über Google ist nix zu finden, würde Deinen Rat sehr zu schätzen wissen, besten Dank im Voraus. Jürgen

  4. Gaby sagt:

    Hallo Markus,

    habe mir nach langerm Zögern das hier diskutierte Mikro ATR3350 gekauft. Jetzt habe ich es an mein MacBook angeschlossen und bin mächtig enttäuscht, weil die Lautstärke der Aufnahme sehr schlecht ist. Ich habe sämtliche Einstellungen auf maximum gestellt, dennoch hört man bei Videos den Ton kaum. Da ist das integrierte Mikrofon um Längen besser, wenn auch nicht optimal zwecks Hall etc.

    Kann es sein, dass das Mikrofon mit Apple nicht funktioniert? Und wenn ja, gibt’s eine empfehlenswerte Alternative?

    Danke für einen Tipp sagt

    Gaby

    • Hallo Gaby,

      der Mac verfügt leider nur über einen Line Eingang und nicht über einen Mikrofon-Eingang. Der Unterscheid ist, dass der Line-Eingang ein Signal braucht, dass schon verstärkt ist. Ein Mikro-Eingang benötigt nach dem Eingang eine Signalverstärkung. Ich habe dasselbe an meinem iMac und löse das Problem folgendermaßen: Ich nutze ein Diktiergerät, dass einen Mikroeingang hat und auch einen Kopfhörerausgang und leite das Signal vom Mikro dort hindurch. Dann ist es für den Line-Eingang passend und die Lautstärke stimmt.

      Es funktioniert natürlich auch jeder andere Mikrofonverstärker, aber die sind meist teurer weil für wesentlich professionellere Mikros ausgelegt.

      Viele Grüße
      Markus

  5. Gaby sagt:

    Hallo Markus,

    danke für den Tipp. Das klingt plausibel. D.h. jetzt schaue ich mich mal nach einem Diktiergerät um.

    Viele Grüße nach Berlin

    Gaby

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