Welches ist die beste Videokamera für mich?

Wenn Leute beschlossen haben, mit Video zu arbeiten und mich dann irgendwo zu fassen kriegen, dann ist fast immer die erste Frage: „Welche Kamera soll ich nehmen?“. Ich antworte dann immer mit einer Gegenfrage: „Wenn Du für Deine Webseite oder sonst für irgendwas einen Text brauchst, fragst Du dann als erstes nach einem guten Textverarbeitungsprogramm?“. Sicher macht das keiner. Man nimmt das, was man hat – und wenn man keins hat, dann holt man sich das, was man gerade leicht kriegen kann…

…die Kamera ist fast egal!

Warum ich das behaupte, das erfährst Du in diesem Artikel. Trotzdem gebe ich Dir aber auch klare Kriterien an die Hand, worauf Du beim Videokamera Kaufen achten kannst – inklusive ein paar konkrete Empfehlungen für aktuelle Modelle.

welche-videokamera-kaufen

Was steckt eigentlich hinter der Frage? – Eigentlich geht es ja nicht um die Kamera. Es geht erst einmal um das, was Du damit erreichen willst. Die Motivation hinter der Frage ist meist die Absicht, ein „gutes“ Bild hinzukriegen. Genauer gesagt: Einen hochwertigen und ansprechenden Look für Deinen Videoauftritt zu erzeugen. Auch wenn es vielleicht überrascht: Tatsächlich ist dafür die Kamera der kleinste Faktor.

Was aber ist dann wirklich wichtig für ein gutes Bild?

Absolut entscheidend für ein gutes, sauberes und klares Bild  ist das Licht. Und entscheidend für eine gute Bildqualität ist, dass es einfach hell genug ist. Ohne ordentliches Licht kann auch eine teure Kamera keine sauberen Aufnahmen machen – und wenn es hell genug ist, machen sogar die meisten Smartphones hervorragende Bilder.

Der andere Faktor ist dann noch die Bildgestaltung. Wenn die Bildinhalte so positioniert sind, dass es einen ausgewogenen grafischen Gesamteindruck gibt, nur wirklich relevante Inhalte im Bild sind und auch der Hintergrund bewusst gestaltet ist, dann entsteht, zusammen mit gutem Licht,  ein als „gut“ wahrgenommenes Bild.

Dass das Bild stimmt, macht ein Video natürlich noch nicht automatisch gut, aber es ist ein wichtiger Faktor (für den die Kamera nur einen kleinen Teil Verantwortung trägt). Es gilt für die Auswahl der Kamera: Jedes Modell von Videokamera, das nicht zu alt ist (sprich: nicht älter als 3 Jahre), funktioniert für das Bild garantiert. Sogar eine Webcam kann ausreichend sein. Es gibt da allerdings zwei wichtige weitere Features bei der Ausstattung, auf die Du achten solltest.

Die entscheidenden Kriterien für die Wahl einer Videokamera:

  • Unabdinglich ist ein externer Mikrofoneingang, damit der Ton per externem Mikro sauber aufgenommen werden kann. Der Ton ist bei einem Video für die Wahrnehmung der Qualität nämlich genau so wichtig wie das Bild – zum Teil sogar noch wichtiger.
  • Wenn ich etwas anspruchsvoller mit dem Licht umgehen will (oder auch einfach nur diesen weißen makellosen Hintergrund haben will, den man so kennt), dann muss ich Blende und Belichtung (und am besten auch Fokus) manuell einstellen können.

Konkret: Welche Videokamera kaufen – Meine Empfehlungen

Zur Frage nach konkreten Empfehlungen sei hier gleich eine Warnung ausgesprochen: Das Angebot der Modelle auf dem Markt ändert sich schnell und was vor einem halben Jahr gut war, ist heute schon nicht mehr lieferbar. Wichtig sind die oben angesprochenen Kriterien.

Da ich jedoch kürzlich gerade mal wieder ganz ausführlich für einen Kunden recherchiert habe, dem ich sein komplettes Homestudio konzipieren und einrichten durfte, kann ich hier guten Gewissens zumindest für den Moment zwei Modelle empfehlen. (Und ich verspreche regelmäßige Updates für den Artikel, sollte sich etwas ändern!)

Also, bei folgenden Kameras bin ich gelandet:

  1. Der Camcorder Panasonic HC-V757. Er hat einen schönen Detailvorteil: Er kann  statt in AVCHD auch direkt als mp4 abspeichern. Das ist eine Riesen-Erleichterung, da AVCHD recht undankbar bei der Weiterverarbeitung ist.
  2. Die Panasonic Lumix DMC-FZ200, ebenfalls von Panasonic – eine Fotokamera mit Videofunktion.

Beide erfüllen die oben angesprochenen Kriterien. Wie gesagt: Dies ist der Stand von Oktober 2014 und ich kann nur für den Moment sprechen – wenn Du diesen Artikel später liest, sieht es wahrscheinlich schon wieder anders aus. (Wobei die entsprechenden Nachfolgermodelle sicherlich ein guter erster Ansatz für eine Recherche sind.)

Filmen mit dem iPhone – eine Alternative?

Was tatsächlich auch gut funktioniert, ist das Filmen mit dem iPhone ab Modell 4s. Von der Auflösung her ist die integrierte Kamera völlig ausreichend und beim Filmen bis zu Armeslänge Abstand liefert sogar das kamerainterne Mikrofon erstaunlich gute Qualität. Mit einem Adapter kann ein externes Mikrofon angeschlossen werden und die manuelle Einstellbarkeit von Belichtung und Fokus per App macht aus dem iPhone eine richtig amtliche Videokamera.

Weil ich oft darauf angesprochen werde, werde ich mich in einem der nächsten Blogbeiträge dem Filmen mit dem iPhone noch mal ausführlicher widmen. Darin verrate ich Euch dann die kleinen Tricks, mit denen man aus der iPhone Kamera das Beste rausholt.

Und eine gute Webcam?

Was auch geht, wenn auch etwas eingeschränkt, sind Webcams. Diese haben natürlich in der Regel keinen externen Tonanschluss. Allerdings hängen sie ja am Rechner und da kann man dann wiederum ein externes Mikro anschließen. (Dabei gilt es drauf zu achten, dass das zu Synch-Problemen führen kann.) Was Webcams wenig haben, sind die manuellen Einstellmöglichkeiten. Manche kommen aber mit einer zusätzlichen Software, die das bietet – meist nicht ganz so effektiv, aber für den Einstieg kann das schon eine Möglichkeit sein.

Auch hier eine Empfehlung (mit Ablaufdatum wie oben erklärt): Eine gute Webcam mit so einer Zusatzsoftware ist zum Beispiel die Logitech HD PRO C920. Die schafft eine sehr hohe Auflösung und ist deshalb auch schon mal über einfache Skype-Interviews hinaus tauglich für´s Aufnehmen von Videos.

Was viel wichtiger ist als die Kamera…

Noch mal zurück zu dem Vergleich von oben „Mit welchem Textverarbeitungsprogramm schreibe ich am besten“. Wenn ich gute Texte machen will, dann ist es erstmal wichtig mir klarzumachen, was der Text erreichen soll und was ich sagen will. Als nächstes, wie ich dem eine Struktur gebe, die spannend UND verständlich ist. Das entspricht beim Videomachen der Definition des Filmziels und der gründlichen Entwicklung von  Inhalt und Konzept.

Dann möchte ich meinem Text vom Stil her auch so schreiben, dass es mir entspricht – meine „Schnauze“ soll klar erkennbar sein – und gleichzeitig auch überzeugen. Das ist dann für´s Video der ganz wichtige Faktor der Kamerapräsenz – wie ich mich zeige, bzw. dass ich mich wirklich zeige!

Und dann erst geht es darum, wie setze ich das technisch und gestalterisch um. Alle Elemente sind gleich wichtig und keines kann vernachlässigt werden, will man mit seinem Video Erfolg haben.

Welche Videokamera kaufen? – auf den Punkt gebracht:

Für ein gutes Video ist ein sauberes gutes Bild wichtig, aber nicht alleine entscheidend. Ein sauberes Bild wiederum entsteht nicht durch die Wahl der Kamera. Sie zeichnet nur auf, was drum herum an guter Arbeit getan wurde – oder halt nicht. Sie kann also fehlende Qualität bei Licht und Bildgestaltung nicht ausgleichen oder gar ersetzen. Die Kamera muss also nicht teuer sein – wichtig ist nur der externe Mikroeingang und bei Bedarf die manuellen Einstellmöglichkeiten.

Natürlich haben teure Kameras ihre Vorzüge, aber die liegen nicht darin, Dir die Arbeit mit dem Drumherum abzunehmen. Welche Kamera für Dich passt, ergibt sich aus den genannten Kriterien, dem Spaß, den Du an hochwertiger Technik hast und Deinem Budget. Wenn es um gute Videos geht, dann ist die Kamera nur ein notwendiges (manchmal noch nicht einmal das) Werkzeug von vielen.

PS: Übrigens: „Ich kann mir keine teure Kamera leisten“ entfällt damit als Ausrede, nicht mit Video anzufangen… ;-)

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10 Responses to Welche Videokamera soll ich nehmen?

  1. Katrin sagt:

    Herzlichen Dank für die tollen Tipps! Sie holen mich genau da ab wo ich gerade stehe. Bin am Überlegen wie ich mit einfachen Mitteln ein gutes Video (letztendlich für meine Webseite aber erst einmal erlaube ich mir eine spielerische Ausprobierphase) hinbekomme. Liebe Grüße Katrin

    • Hallo Katrin,

      schön, dass es passt!
      Und Glückwunsch zur Entscheidung erstmal eine Ausprobierphase einzubauen, bevor es ans “Eingemachte” geht! Genau das mache ich auch mit meinen Kunden: Bevor es an das Webseiten Video geht, das von einem Besucher immer mit einigem Anspruch an das Video beäugt wird, erstellen wir eine Infoserie für YouTube – da ist der Anspruch nicht so hoch, man kann gut üben und mit ein paar Kniffen sorgt man sogar schon für frische Besucher für die eigene Webseite!

      Viele Grüße
      Markus

  2. Ralf sagt:

    …wir haben uns aktuell für eine Canon EOS60d entschieden. Dazu noch einen Henkelgriff, und schon geht es in Full-HD ab! Und professionelle Fotos sind auch noch möglich! Zwar etwas mehr in der Anschaffung als die Lumix, aber nicht zuletzt viel wertstabiler UND professioneller!

    • Ja, die Canon ist vor allem wegen der guten Linse und der vielen verfügbaren Objektive eine gute Wahl – nach oben gibt es da keine Limits… :-)

      Auch die beiden (günstigeren) Empfehlungen aus dem Artikel machen übrigens “Full HD”. Im Consumer Bereich bedeutet das allerdings nur, dass die Auflösung “Full” ist, also 1920×1080 statt 1280×720 Pixel beträgt. Im professionellem Kontext würde man von “vollem” HD nur sprechen wenn gleichzeitig die Bilddaten unkomprimiert abgespeichert werden.

      Alle drei Kameras können das aber nicht leisten und komprimieren direkt bei der Aufnahme und speichern entsprechend reduzierte Daten ab. Das ist auch gut so, da eine Verarbeitung von unkomprimierten Daten auch eine entsprechend leistungsstarke Rechner-Peripherie voraussetzt.

      Ein Plus der Canon dabei ist, dass sie, wie der Panasonic Camcorder, auch keine AVCHD Dateien abspeichert sondern leicht verwertbare .mov Dateien.

      Auch wenn ich mich wiederhole: Egal wie professionell die Kamera ist, nur wenn alles andere drumherum professionell ist, wird ein Video professionell – und das klappt sogar auch dann, wenn es die Kamera nicht ist…

  3. Ralf sagt:

    …das bestätigen wir natürlich zu 100%: Das drumherum, das eigentliche machen, der Rahmen, die Idee, sich herantrauen und es auch WIRKLICH umsetzen ist die viel größere Herausforderung. Selbst wenn ich “nur” das Iphone benutze. Daher: Üben, üben, üben! Und dann (vllt.) entsprechend equipen.

    • Ganz genau: Üben ist essentiell – mit den richtigen Hintergrund-Infos und dazu noch guten Feedbackschleifen lässt sich das Üben zwar extrem effektiveren, aber drumherum kommt man nicht… :-)

  4. Vielen Dank für die guten Tipps zum Video-Equipment! Ich habe bereits gute Erfahrungen mit der Lumix DMC-GF2 gemacht. Können Sie auch ein gutes Lichtsystem empfehlen wenn man gezwungener Maßen auf available light verzichten muss? Sollte man in ein günstiges 3-Punkt-Lichtsystem oder lieber in eine richtig gute Studiolicht-Anlagen investieren? Viele Grüße Hendrik

    • Hallo Hendrik, das mit dem Licht ist sehr Situationsabhängig – zum einem vom Drehort natürlich, aber auch von den eigenen Ansprüchen bzw. den unbewussten “Sehgewohnheits-Ansprüchen” der Zielgruppe. Man kann schon mit einer Lampe ordentliche Bilder erzeugen, zwei sind besser und ein 3-Punkt Licht ist schon recht anspruchsvoll, was Aufbau und auch den Platz dafür angeht. Die Frage ist auch, was Du mit Studiolicht-Anlage meinst – Profilampen kosten ab 1000,- EUR das Stück und eine ganze Anlage mit Riggs dafür (und ein permanent dafür blockierbarer entsprechend großer Raum – ein Studio eben) ist schon mit ein wenig Budget verbunden.

      Melde Dich gern mal bei mir direkt, dann können wir schnell rausfinden, was für Dich Sinn macht!

      Beste Grüße
      Markus

  5. Christoph sagt:

    Hi Markus, schöner Artikel. Deine 2 Empfehlungen sind mir leider etwas zu teuer. Kannst du eine Kamera im Budgetbereich 100-200 Euro empfehlen? Möglichst eine, die leicht ist und auch auf Reisen zum Videodrehen eingesetzt werde kann (logisch für einen Reiseblog :-))?
    Viele Grüße, Christoph

    • Hi Christoph,

      konkret habe ich da nichts zu empfehlen – in der Preisklasse fehlt der Mikroeingang und die manuelle Einstellmöglichkeit ist zumindest stark eingeschränkt. Du könntest halt ein Smartfon nehmen mit entsprechender App oder eine Logitech 920. Das ist eine Webcam die recht hohe Auflösung schafft und auch per Software einigermaßen manuell einstellbar ist, wenn Du sie auf Windows betreibst. Ansonsten hast Du sozusagen freie Wahl in der Preisklasse 100-200 EUR, weil es keinen großen Unterschied macht was Du da nimmst. Eins kannst Du noch in Betracht ziehen: Je größer das Objektiv desto lichtstärker bzw. besser sind die Bilder bei wenig Licht – allerdings solltest Du immer, auch bei großen Objektiven auf gutes Licht achten…

      Viele Grüße
      Markus

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